Sie hat auf diesen Job lange hingearbeitet

Tageblatt, 3. Juli 2019

Sie hat auf diesen Job lange hingearbeitet

Frauen in Führungspositionen:
Sabine Hesse führt das Stader Traditionsunternehmen Hesse

Von Julia Balzer
STADE. Seit mehr als 50 Jahren ist die von ihrem Vater und Onkel aufgebaute Druckerei als mittelständisches Unternehmen in der Region tätig. Nach ihrer Ausbildung zur Schriftsetzerin Anfang der 1990er Jahre hat Sabine Hesse ein Studium „Kommunikationstechnologie Druck“ absolviert, in dem sie sämtliches Know-how über Drucktechniken und Datenaufbereitung bis hin zu Maschinenbau und betriebswirtschaftlichen Kenntnissen erworben hat, das sie zielgerichtet in der familieneigenen Druckerei einsetzen wollte. Seit 2001 ist die zweifache Mutter im Unternehmen tätig, aus dem der Onkel 2002 und der Vater 2007 altersbedingt ausgeschieden sind.
„Man muss manchmal auch Mut haben“, sagte die 45-Jährige, als sie 2005 gemeinsam mit ihrem Vater sowie ihrem Mann entschied, neben der eigentlichen Druckerei eine weitere Firma zu gründen: Hesse Direktmarketing , eine Ergänzung des Kundenservice-Angebots über die reinen Druckerzeugnisse hinaus. Denn mittlerweile haben sich die ersten Online-Druckereien erfolgreich auf dem Markt positioniert, und der Anspruch an individuellen Mailings und Serviceleistungen wie die Be- und Verarbeitung von jeglichen personalisierten Drucksachen ist gewachsen.
,,Den Impuls gab ein Kunde aus Buxtehude. Ein Versandhändler, der uns zutraute und uns darum bat, diese Leistungen ebenfalls zu übernehmen“, erinnert sich Sabine Hesse. Zwar war das finanzielle Risiko überschaubar, dennoch musste ein unternehmerischer Handlungsprozess durchdacht werden.
Das erste Kind wurde in diesem Jahr geboren, und der Ehemann arbeitete aus diesem Grund teilzeitbeschäftigt bei einem großen Unternehmen in Hamburg. So konnte er sich neben Tagesmutter und Familie um den Sohn kümmern und Sabine Hesse sich den neuen Herausforderungen stellen. Digitalisierung erfordert vorausschauende Entscheidungen. 2007 lösten dann Ehemann Thomas Pauli und der langjährige Mitarbeiter Axel Penning den Vater als Geschäftsführer im Unternehmen ab. Die größte Herausforderung in einer Druckerei dieser Größe sind die unternehmerischen Entscheidun­gen hinsichtlich der Anschaffung kostenintensiver neuer Maschinen.
„Die Prozesse der Digitalisierung ändern sich ständig“, weiß Sabine Hesse und macht deutlich, dass die Schnelligkeit der Innovationen auch zügige und richtungsweisende Entscheidungen erfordert. 2007 folgte aufgrund so einer Entscheidung die notwendige Erweiterung der Halle.
Vier Mal wurde insgesamt die Betriebsfläche erweitert oder umgebaut – größere Druckmaschinen und Umstrukturierungen im Digital- und Offset-Druck machen stetige räumliche und strukturelle Anpassungen erforderlich. Für Sabine Hesse und die zwei Mitglieder der Geschäftsleitung ein ständiger Prozess in den Unternehmensentscheidungen, wobei die Aufgaben klar verteilt sind: Die beiden Herren bewerten aus kaufmännischer Sicht, Sabine Hesse ist Ingenieurin und damit die perfekte Ergänzung . Pragmatisch, hemdsärmelig und immer ansprechbar für die Mitarbeiter, führt ihr Weg mehrmals am Tag durch die Produktionsräume. Schließlich ist sie die Ansprechpartnerin für alle Kunden und sieht darin auch ihre hauptsächliche Verantwortung: ,,Vertrauen der Kunden kann man sich nur erarbeiten; und das gelingt nur, wenn man sie kennt“, sagt sie.
Dass dazu auch das gegenseitige Vertrauen in die Mitarbeiter gehört, liegt für sie klar auf der Hand. ,,Eine Hand wäscht die andere“, lautet im Hinblick hierauf ihr Motto. Wenn Not am Mann ist, kann sie auf ihre Mitarbeiter zählen; genauso andersherum reagiere man flexibel, wenn es die Situation erfordere.
Angst vor den Online-Druckereien hat Sabine Hesse nicht.
,,Nur 20 Prozent der Druckaufträge werden online abgewickelt. „Die Online-Druckereien sind in der Regel nur etwas kostengünstiger bei kleineren Auflagen. Der Vorteil der Druckerei Hesse sei, auch bei großen Volumen schnell, flexibel und individuell handlungsfähig zu bleiben und dabei nah am Kunden zu sein. Bei 150 bis 200 Aufträgen, die durchgehend in der Pipeline sind, eine sportliche Aufgabe, die jeden Tag aufs Neue von allen Mitarbeitern als Herausforderung angenommen wird.